Autorin:
Dr Ivana Minić
Fachärztin für Dermatovenerologie
Seborrhoisches Ekzem wird schon länger nicht mehr nur als Erkrankung der Kopfhaut und der Haut eingestuft. Immer mehr Dermatolog:innen machen ihren Patient:innen deutlich, dass es sich um einen Zustand handelt, den sie vollständig verstehen müssen, damit die bisherigen „Spielregeln“ grundlegend geändert werden können. Es geht nicht mehr nur darum, die Folgen zu behandeln oder Symptome zu lindern – der Fokus liegt zunehmend auf dem Beginn der Geschichte der Seborrhoe, die bereits in den ersten Lebenstagen anfängt.
Lassen Sie uns die Wahrheit aufdecken. Direkt nach der Geburt wird unsere Haut von Mikroorganismen besiedelt, mit denen wir im Laufe der folgenden Tage, Monate und Jahre einen gesunden Mikrobiom aufbauen, der die Grundlage für eine starke und gesunde Immunität der Haut bildet. Vergessen Sie nicht: Wir sprechen vom größten Organ des Körpers – dieser Prozess verläuft langsam, ist aber tief verankert und kraftvoll.
Was sagt die Genetik?
Auf der anderen Seite bestimmt und codiert die Genetik, wie sich jeder Teil unseres Körpers aufbaut und funktionell entwickelt. Betrachtet man unseren Organismus, ist klar, dass bereits vorgegeben ist, in welcher Weise und in welchem Verhältnis bestimmte Fettsäuren, Cholesterine und andere Elemente die Zusammensetzung des Talgs jeder einzelnen Person bilden. Wir wissen heute, dass es einerseits die Besiedelung gibt und andererseits den Prozess der Talgsekretion – mit dem entscheidenden Punkt, dass die Zusammensetzung des Talgs von Person zu Person unterschiedlich ist. Das wichtigste Glied im Mikrobiom ist Malassezia, ein Pilz, der die Rolle des „Wächters des Säureschutzmantels der Haut“ und der Erhaltung des pH Wertes spielt. Dies erreicht er durch den Abbau von Talg, seiner Hauptnahrungsquelle – ein Prozess, der bei den meisten Menschen im Gleichgewicht ist. Bei 4 % der Weltbevölkerung ist die Talgzusammensetzung jedoch so beschaffen, dass dieser Pilz daraus eine SUPERNAHRUNG macht, wodurch er seine Kolonien ungehindert und rasch vermehren kann. Mehr Malassezia führt zu einem stärkeren Abbau von Talg, was wiederum den Bedarf an dessen Produktion erhöht, denn unser Körper reagiert nach dem Prinzip „alles, was schnell verbraucht wird, muss schnell nachgebildet werden“. Und hier haben wir das erste Symptom der Seborrhoe – FETTIGE HAUT.
Wie entwickelt sich der Prozess weiter? Die Vermehrung dieses Pilzes stört das ideale Verhältnis im Mikrobiom und zu anderen Mitspielern, er wird dominanter und senkt mit seinen sauren Stoffwechselprodukten den pH Wert der Haut weiter ab, schädigt die Hautbarriere und öffnet sich direkt den Weg zu tieferen Hautschichten. Der Alarm wird ausgelöst: Der Organismus toleriert diese „entgleiste Population“ nicht und beginnt, die oberste Hautschicht durch Schuppung abzustoßen. So gelangen wir zum zweiten Symptom der Seborrhoe – Schuppung oder „SCHUPPEN“. In den tieferen „lebenden Schichten“ der Haut stößt der Pilz auf den berüchtigtsten Hüter der allgemeinen Gesundheit – unser IMMUNSYSTEM. Der Kampf beginnt: Es werden verschiedene Mediatoren freigesetzt, der Prozess breitet sich leicht auf benachbarte Bereiche aus – es kommt zu einer Entzündung und schließlich entsteht das vollständige klinische Bild der seborrhoischen Dermatitis mit RÖTUNG und JUCKREIZ. Würde man diese Geschichte zusätzlich mit Faktoren würzen, die direkt oder indirekt auf das Immunsystem und den Säuregrad der Haut einwirken – etwa Ernährung und Pflege – erhielte man ein Bild möglicher Auslöser dieses Prozesses, was Raum für ein weiteres Thema eröffnet.
Nun, da wir das vollständige Bild haben, werden Sie zustimmen, dass der alte Ansatz, nur die Folgen zu behandeln, das eigentliche Problem nicht löst. Die Ursache liegt stets am Anfang des Prozesses. Auf die Genetik können wir nicht einwirken, das ist klar – aber wir können das Vorhandensein von Malassezia regulieren.
Antimykotische Medikamente sind in diesem Kampf sehr wirkungsvoll
2 % Ketoconazol (Mycoseb) zeichnet sich durch eine besonders hohe Wirksamkeit aus. Dennoch kann ein starkes „Waffenarsenal“ in Ihren Händen auch zu Ihrem größten Feind werden, und genau deshalb stellen wir Ihnen neue Regeln vor – hier der Grund: Bei nicht adäquat geführter Therapie setzen Sie sich einem Rückfallrisiko aus. Die Spielregeln sind nicht eindimensional und beschränken sich nicht auf die Strategie „eliminiere den Feind“. Im Fall von Malassezia ist das ohnehin nicht möglich, denn nach dem Ende der antimykotischen Wirkung des Arzneimittels sind Rückfälle wahrscheinlich.
Ein neuer Ansatz bei der Kontrolle der Seborrhoe zielt darauf ab, Malassezia wieder in den Rahmen ihrer natürlichen Präsenz zurückzuführen. Diese Strategie lässt sich in mehrere Phasen gliedern.
• Die erste ist die ANGRIFFSPHASE, in der die Zahl der Malassezia Kolonien kompromisslos reduziert wird. Je nach klinischem Bild ist 2 % Ketoconazol das Mittel der Wahl; es wird einmal täglich auf die betroffenen Hautareale aufgetragen, bis die ersten zufriedenstellenden therapeutischen Ergebnisse erreicht sind.
• Die zweite Phase ist die KONSOLIDIERUNGSPHASE: Hier gilt es, die Harmonie des Mikrobioms wiederherzustellen und ein optimales Milieu für seine Regeneration zu schaffen. Die Anzahl der Kolonien wird weiterhin kontrolliert, jedoch mit einem anderen Ansatz, der die Talgzusammensetzung beeinflusst und ungünstige Bedingungen für weiteres Wachstum schafft.
• Die dritte Phase, oder REDUKTIONSPHASE, überschneidet sich häufig mit der vorherigen, insbesondere wenn das klinische Erscheinungsbild stark ausgeprägt ist und ein schwerer Verlauf vorliegt.
Diese Phase wird von Dermatolog:innen betreut und umfasst häufig den Einsatz von Arzneimitteln mit immunsuppressiver oder immunmodulierender Wirkung.
Welche Rolle spielen Sie dabei?
Vertrauen Sie dem Prozess. Wenn Ihre seborrhoische Dermatitis nicht schwer ausgeprägt ist und nur im Bereich der Kopfhaut lokalisiert ist, dann sind Sie der Kapitän – steuern und kontrollieren Sie sie wie ein Profi. Es ist wichtig, dass Sie das Wesen des Prozesses verstehen und rechtzeitig sowie kompromisslos handeln.
Die Lösung ist einfacher, als sie scheint. Wie sieht sie in zwei einfachen Schritten aus? 2 % Ketoconazol (Mycoseb) Shampoo sollte Ihr Verbündeter in der ersten Phase sein; sobald Sie eine Besserung bemerken, geht der Kampf in die zweite Phase über. Wechseln Sie von 2 % Ketoconazol zu Präparaten wie Mycosens. Mycosens unterstützt das Hautmikrobiom und ist ideal für die Konsolidierungsphase. Seine Formulierung ist so konzipiert, dass sie die tägliche Anwendung ohne Austrocknung der Haut ermöglicht und den pH Wert reguliert. Durch kontinuierliche Anwendung lassen die subjektiven Beschwerden nach, und Sie erreichen eine vollständige Kontrolle.
Verstehen, sich weiterbilden und handeln – das ist Ihre neue Formel im Kampf gegen seborrhoisches Ekzem.